Notfall- und Intensivstation Kantonsspital Frauenfeld
Der oberirdisch zweigeschossige Anbau ist der erste realisierte Teilbereich der Gesamtplanung für das Kantonsspital Frauenfeld. Er schliesst nahtlos an den bestehenden Sockeltrakt des Spitalkomplexes an. Die Fassade, zusammengefügt aus sorgsam proportionierten Quadern, zeigt im Prinzip das klassische Thema von Tragen und Getragenwerden auf. Pfeiler, Fensterstürze und Brüstungen bestehen aus vorfabrizierten Betonelementen, die mit grünlichem Gesteinszusatz hergestellt sowie gesäuert und gewaschen wurden. Niveauunterschiede in der Fassadenflucht sorgen für Plastizität: Die Fensterstürze treten gegenüber den Pfeilern leicht vor, die Brüstungen weichen etwas zurück. Da die Fenster weiter zurückversetzt liegen, wirkt die Fassade in der frontalen Ansicht offen und transparent, in der Schrägansicht aber geschlossen und massiv. Die Raffinesse zeigt sich in der Ecklösung: Mit zwei aneinander anschliessenden Pfeilern, die in der Aussenflucht unterschiedlich erscheinen, werden Breite und Tiefe des Pfeilers erfahrbar. Weil die Ausrichtung der Pfeilerpaare in beiden Geschossen variiert, kommen Fensteröffnungen und Pfeiler nicht übereinander, sondern um eine Pfeilerbreite versetzt zu liegen. Damit wird der klassische Aufbau verlassen und die Möglichkeiten des modernen Betonbaus versinnbildlicht.
Jedes Fenster ist unterteilt in zwei gleich grosse hochrechteckige Flügel mit feinem Metallrahmen und einem schmalen Lüftungsflügel, der durch vorstehende Mattglasscheiben gerahmt und geschützt wird. Die tiefe Fensterbrüstung ermöglicht den Ausblick vom Bett aus.
Im tiefen, erdgeschossigen Einschnitt an der südöstlichen Gebäudeecke liegt der Eingang. Die Gänge führen im Windradschema um den mittigen Kern und meist bis an die tageslichtspendende Fensterfassade. Entlang den Fassaden liegen die Zimmer der Intensivstation, deren gangseitige Glasscheiben mit Pflanzenmotiven bedruckt wurden.